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Ein gutes Leben für alle

Rede an der Geschäftsdelegiertenversammlung der SP Baselland

Liebe Genossinnen und Genossen

Wenn ich als Kind Hilfe bei meinen Hausaufgaben brauchte, konnten mir meine Eltern helfen. Wenn wir Schulferien hatten, ging ich mit meiner Familie in die Ferien: Im Winter in der Schweiz und im Sommer regelmässig ins Ausland. Mein Studium habe ich an einer hervorragenden, staatlich finanzierten Universität abgeschlossen. Ich habe mir nie überlegen müssen, ob ich meine Zahnarzt-Rechnung bezahlen kann. Ich erlebe keine Diskriminierung, wenn die Polizei meinen Ausweis kontrolliert. Ich muss mir nicht überlegen, ob ich meiner Freundin die Hand gebe, wenn wir zusammen unterwegs sind. Und wenn ich heute Abend spät nach Hause laufe, muss ich keine Angst haben.

Ihr könnt es unschwer erahnen: Es gibt wenig Spiele, in denen ich ohne jede Anstrengung so regelmässig zu den Gewinnern zähle – und ich gendere hier extra nicht –, wie das «Privilegienspiel». (Das Spiel funktioniert übrigens auch hervorragend mit 1.5 Meter Abstand, fragt Google…)

Liebe Genossinnen und Genossen, die Privilegien, dich ich in meinem Leben hatte und immer noch habe, müssen zu einem Recht für alle werden. Denn alle Menschen haben das gleiche Recht auf ein gutes Leben. Ein freies und selbstbestimmtes Leben. Ein Leben frei von ökonomischer Ausbeutung, gesellschaftlicher Bevormundung und staatlicher Unterdrückung. Darum engagiere ich mich politisch. Und weil Fortschritt gegen die Interessen der Mächtigen immer nur gemeinsam erkämpft werden kann, bin ich vor über sechs Jahren der Sozialdemokratischen Partei beigetreten.

In die Partei, die sich seit über 125 Jahren dafür einsetzt, dass alle Menschen zum Arzt gehen können und weiterhin ihren Lohn erhalten, wenn sie krank sind. Die Partei, die sich dafür einsetzt, dass alle Menschen lesen, schreiben und rechnen können und dass wir unseren Kindern und Grosskindern einen Planeten hinterlassen, der lebenswert ist. Die Partei, die sich dafür einsetzt, dass unsere Töchter und Söhne lieben und leben können, wo und wie sie wollen. Und die Partei, die dabei keinen Unterschied macht, an welchem Ort die Eltern bei der Geburt zufälligerweise gelebt haben oder welche Farbe ihr Pass zufälligerweise hatte.

Wir sind die Partei, die Politik mit Hoffnung statt mit Angst macht. Und die der Ohnmacht der Menschen – der verständlichen Ohnmacht der Menschen –, die Selbstermächtigung und die kollektive Organisierung entgegensetzt. Die Partei, die überzeugt ist, dass wir stärker sind, wenn wir gemeinsam Verantwortung füreinander übernehmen, statt uns gegenseitig zu piesacken.

Liebe Genossinnen und Genossen, wir können jedes politische Thema auf die einfache Frage reduzieren, in was für einer Gesellschaft wir leben möchten. Und es macht uns als SP stark und glaubwürdig, weil wir eben wissen, in was für einer anderen, solidarischeren Gesellschaft wir leben möchten. Genossinnen und Genossen, auf dieser Stärke wollen wir aufbauen.

Wir treten an, weil wir eine SP möchten, die Taktgeberin der politischen Debatte ist. Eine SP, die genau diese Debatte darüber prägt, in was für einer Gesellschaft wir grundsätzlich leben möchten. Und eine SP, die es gleichzeitig schafft, diese Debatte mit sauberem politischem Handwerk in konkreten Fortschritt für die Menschen umzumünzen.

Wir treten an im Wissen und Bewusstsein, dass wir diesen Fortschritt nur durchsetzen können, wenn wir in den sozialen Bewegungen verankert sind. Und wir sind das. Als sozialdemokratische Familie sind wir im Frauen*streik verankert, im Klimastreik, in den Gewerkschaften, in den Umweltverbänden, im Mieterinnen- und Mieterverband und in Vereinen wie «Workfair 50+».

Wir sind überzeugt: Nach Jahren der Abbaupolitik ist Fortschritt im Baselbiet nötig und möglich. Und damit er möglich wird, brauchen wir all eure Klugheit, eure Begeisterung und eure Kraft. Ich kann versprechen, dass Miriam, Nils und ich unsere voll einbringen werden.

Vielen Dank für euer Vertrauen und hoffentlich eure Stimme.